Ferner wird der Begriff häufig in Verbindung mit Beziehungssucht,
Romanzensucht und Sexsucht verwendet. Bei allen drei Gruppen gibt es
untereinander Überschneidungen. Co-Abhängige müssen aber weder in
Beziehungen leben noch müssen ihre Angehörigen Suchtproblematiken
aufweisen. Symptome von Co-Abhängigkeit Co-Abhängige
orientieren sich in ihrem Handeln an anderen. Manche Co-Abhängige
machen andere Menschen zum Mittelpunkt ihres Lebens. Ihr eigenes Leben
scheint ihnen unbedeutend und langweilig. Das Gefühl von Bedeutung
erfahren sie in den Reaktionen ihrer Umwelt. Sie sind süchtig nach
Anerkennung und opfern alles dafür, was bis zur völligen
Selbstverleugnung gehen kann. Es wird immer die Opferrolle in
Beziehungen (zu Partnern, Kollegen, Familienangehörigen und anderen)
gesucht; meist eine Helfer-Rolle in aussichtsloser Position. So kommt
es häufig vor, dass Co-Abhängige in Beziehungen zu süchtigen Menschen
geraten, die sie „retten“ wollen. Dabei sehen sie sich meist als
Märtyrer. Nicht selten ketten sie ihr eigenes Schicksal an das eines
Anderen, möglichst ein „Verlierer“, mit dem sie dann mit „Wehenden
Fahnen“ untergehen können. So kommt es z. B. zur völligen Überschuldung
bei dem Versuch, einem Heroin-Süchtigen zu helfen, oder zum Burnout bei
dem Versuch, die Firma durch Überstunden und völlige Verausgabung zu
retten. Da die
Co-Abhängigkeit auch eine psychosomatische Erkrankung ist, können die
körperlichen Symptome sehr vielfältig sein. Zum schon erwähnten Burnout
über Adipositas (Fettsucht), Migräne , Beziehungssucht , Magersucht und
Angstneurosen gibt es vielfältige Formen. Häufig ist es sehr schwer,
die eigentliche Problematik dahinter zu erkennen.
Wann
ist ein Mensch ein Co-Abhängiger?
Viele der oben genannten
Symptome und Verhaltensweisen sind auch bei gesunden Menschen
anzutreffen. Pathologisch ist es dann, wenn die Lebensqualität massiv
beeinträchtigt ist, das Handeln als zwanghaft erlebt wird und letztlich
auch die physische Gesundheit bedroht ist. Es verhält sich ganz ähnlich
wie beim Alkoholismus : Das Gläschen zum Essen ist noch nicht das
Problem. Erst wenn es zum Zwang wird, ist es höchstwahrscheinlich eine
Erkrankung.
Ursache
für Co-Abhängigkeit
Die Ursachen sind wie bei den
meisten psychischen Erkrankungen schwer auszumachen. Alles spricht aber
für das multifaktorielle Modell , also eine Mischung soziologischer
Ursachen, kognitiver Ursachen und genetischer Dispositionen. Meist
kommen Co-Abhängige aus dysfunktionalen Familien , was aber nicht immer
der Fall sein muss. Allen gemein ist aber ein mangelndes
Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen .
Therapie von Co-Abhängigkeiten
Es gibt kein
allgemeingültiges Verfahren. Viele Co-Abhängige finden eine bessere
Möglichkeit, mit sich und ihrem Leben umzugehen, indem sie in
Selbsthilfegruppen gehen, Kuren in psychosomatischen Kliniken oder
ambulante Therapien machen. Einige können dann ein selbstbestimmteres
und erfüllteres Leben erreichen. Dieses bedarf meist langer Jahre der
Auseinandersetzung mit sich und dem eigenen Verhalten. Für einige
bleibt dies ein lebenslanger Prozess. Ohne Hilfe sehen nicht wenige
Co-Abhängige im Suizid ihre einzige Lösung oder gehen an den
körperlichen Symptomen ihrer Krankheit zu Grunde.
Co-Abhängigkeit im Zusammenhang mit
Abhängigkeitserkrankung
In diesem Fall wird unter
Co-Abhängigkeit verstanden, dass neben der abhängigen Person noch
weitere Personen in die Abhängigkeit verwickelt sind. Im Umfeld der
Alkoholkrankheit kennt man die Aussage, dass zu jedem der
trinkt auch mindestens einer gehört, der es zulässt . In
manchen Kreisen wird auch der Begriff Co-Alkoholiker in
diesen Zusammenhang benutzt.
Es stellt sich also die Frage, warum jemand die Beziehung zu einem
Abhängigen nicht beendet, sondern sogar unterstützt, indem er ihm immer
wieder sein Suchtmittel mitbringt oder mit Geld
dafür aushilft. Die andere Variante ist die, dass Angehörige mit allen
Mitteln versuchen, den Abhängigen zu manipulieren. Das Suchtmittel wird
versteckt oder weggeworfen, der Abhängige wird regelmäßig mit
Vorhaltungen konfrontiert. Co-Abhängige versuchen so, Einfluss zu
nehmen und die Situation nach ihren Vorstellungen zu gestalten.
Gründe
können sein, dass der Co-Abhängige damit seine partiellen
Minderwertigkeitsgefühle kompensieren oder soziale Anerkennung erhalten
will (siehe auch Helfersyndrom ). Diese Aussage trifft allerdings nicht
immer zu und die Motivation einer Mutter, die z. B. ihr Kind vor dem
Untergang durch Drogen retten will, kann auch eine andere sein. Jedoch
bleibt auch hier der Einflussbereich begrenzt, letztlich sind es die
Abhängigen, die innerlich bereit sein müssen, Hilfe anzunehmen und von
sich aus etwas an der Situation ändern zu wollen, um das
selbstzerstörerische Verhalten zu beenden. Das manipulative Verhalten
von Abhängigen verstrickt fast immer alle in Co-abhängiges Verhalten,
die längere Zeit im unmittelbaren Umfeld mit ihnen leben. Diese
„Hilfsbereitschaft“, die auch fatal für beide Seiten enden kann, wird
von außen häufig mit Anerkennung gesehen, weshalb der Co-Abhängige
häufig seine Rolle bei der Unterhaltung der Abhängigkeit nicht erkennt.
Deshalb
ist es bei der Behandlung von Abhängigen sinnvoll und wichtig, auch
dessen Bezugspersonen (Partner, Familienangehörige, ...) mit in die
Therapie einzubeziehen. So können sie erkennen, welchen Schaden sie
genommen haben, welche Rolle sie übernahmen in diesem destruktiven
Verhaltenskontext und wodurch sie die Abhängigkeit (latent) unterstützt
haben. Viele der Selbsthilfegruppen verschiedener Abhängigkeiten bieten
auch Hilfen (in eigenen Selbsthilfegruppen) für Angehörige oder Partner
an. (Eine Liste befindet sich am Ende des Artikels zur Alkoholkrankheit
.)
Neben
dem Partner leiden auch Kinder einer Beziehung mit einem Abhängigen
nicht unerheblich. So finden typischerweise immer wieder erhebliche
Ausgrenzungen statt, besonders wenn es lautstarke und/oder rabiate
Auseinandersetzungen gibt (nicht selten über Kleinigkeiten). Diesen
stehen die Kinder meist sehr hilflos gegenüber.
Dies
verhindert oft das Erlernen entsprechender Kompetenzen - z. B. die
Beurteilung, wann und wie auf einen Anlass adäquat zu reagieren ist.
Diese soziale Unsicherheit ist oftmals wiederum
Ursache für die Abhängigkeitserkrankung der Kinder - ebenso wie die
(noch immer nicht zweifelsfrei nachgewiesene) genetische Disposition.